In dieser Rubrik unserer Online-Zeitung bieten wir Ihnen News aus allen Teilen der Wirtschaft, über Unternehmen, Veränderungen, Perspektiven und Ergebnisse.
Einigung im Streit um Ausbildungrangliste
Berlin - Bund, Länder und Sozialpartner haben nach langem Streit den Weg für die seit Jahren geplante Rangliste europäischer Bildungsabschlüsse frei gemacht.
Vertreter von Bundesregierung, Kultusministerkonferenz, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden einigten sich auf die Einstufung der Ausbildungsabschlüsse im sogenannten Deutschen Qualifikationsrahmen. Auf die Einordnung des Abiturs verzichteten sie vorerst.
_____
Allgemeinbildende Schulabschlüsse wie das Abitur sollen dem sogenannten Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) zunächst nicht zugeordnet werden, wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die Mitglieder der Kultusministerkonferenz (KMK) nach Gesprächen in Berlin mitteilten. In ersten Entwürfen für den DQR war das Abitur höher eingestuft worden als drei- und dreieinhalbjährige Berufsausbildungen, was in der Wirtschaft für Kritik sorgte.
Im DQR sollen künftig die verschiedenen Ausbildungsqualifikationen in acht Stufen eingeordnet werden. Das System soll Ausbildungen vergleichbarer machen und so auch die Mobilität von Arbeitnehmern erhöhen. Die deutschen Festlegungen sollen noch in diesem Jahr in den europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) einfließen, um Abschlüsse auch europaweit vergleichbar zu machen.
Beim DQR sei vor allem die Bewertung berufsqualifizierender und akademischer Abschlüsse "wesentlich und gefragt", begründete Schavan in Berlin die Entscheidung. "Niemand bewirbt sich mit dem Abitur um einen Arbeitsplatz." Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock lobte die Stärkung der beruflichen Ausbildung in dem Ranking: "Es ist jetzt möglich die höchste Stufe zu erreichen, ohne jemals die Hochschule auch nur einen Tag von innen gesehen zu haben."
In dem deutschen Ranking ist die Vorbereitung einer Berufsausbildung auf den Stufen Eins und Zwei eingeordnet. Auf Stufe Drei steht die zweijährige berufliche Erstausbildung, auf Stufe Vier drei- und dreieinhalbjährige Ausbildungen. Auf Stufe Fünf sollen berufliche Fortbildungen verortet werden. Niveau Sechs erreichen der Bachelor, der Meister, der Fachwirt und die Fachschulabschlüsse. Auf der Stufe Sieben rangiert der Master-Abschluss, auf der höchsten Stufe Acht die Promotion.
Nach Angaben des KMK-Präsidenten, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD), gibt es bei den europäischen Rankings noch Ungereimtheiten: So könne es sein, dass eine an einer spanischen Hochschule erworbene Qualifikation als Optiker höher eingestuft werde als eine Ausbildung zum Optiker bei einem Unternehmen hierzulande, erläuterte er vor Journalisten.
Nach Ansicht der Grünen ist der Kompromiss nicht ausreichend. Die Akteure blieben durch das Ausklammern des Abiturs "auf halbem Weg stehen", kritisierte der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring.
©AFP 2012
Foto: Mychele Daniau










